GRIMALDI & PARTNERS: Aktienrally im Herbst?

von Silvano Grimaldi, Grimaldi & Partners

Dieser Artikel wurde publiziert bei Moneycab.ch - 12. Juli 2013 


Zürich - “Neue Höchststände ab September wären für mich keine Überraschung”, sagt Silvano Grimaldi, CEO der Zürcher Vermögensverwalterin Grimaldi & Partners AG. Die Ferienwochen werden laut Grimaldi jedoch noch von Kursschwankungen geprägt sein.

Viele Anleger sind heute verunsichert. Die rasante Korrektur im SMI von 8400 auf 7250 Punkte Ende Juni sorgte auch bei versierten Strategen für Überraschung. «Sie war eine Überreaktion auf das sich nun konkretisierende Ende der ultraexpansiven Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed», sagt Silvano Grimaldi. Inzwischen hat der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, wie so oft schon, wieder beruhigend eingegriffen. Er erklärte, die Zinsen würden noch lange tief bleiben. «Das hat die Fantasien auf eine Euro-Zinssenkung im Herbst, mit der einige Schweizer Banken rechnen, belebt und die Märkte nach oben getragen», sagt Grimaldi.

SMI wird weiter steigen


Nun steht der SMI wieder um 8000 Punkte und einige Anleger ärgern sich, günstige Einstiegsgelegenheiten verpasst zu haben. Grimaldi rät jedoch zu Gelassenheit. Der Anstieg seit tatsächlich happig, aber die Korrektur zuvor sei es auch gewesen. «Die Märkte müssen sich aufgrund der Abkehr von der ultraexpansiven Geldpolitik der Notenbanken neu orientieren, das führt immer zu Ausschlägen.» Grimaldi glaubt aber, dass ab drittem Quartal die fundamentalen Daten in den Vordergrund rücken werden. Die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in den USA komme dann zum Tragen. Grimaldi rechnet mit besseren Unternehmensgewinnen, mit einer weiter sinkenden Arbeitslosigkeit und einer stabilen Inflation. «Das ist ein ideales Szenario, um ein Jahresendrally auszulösen.»

Sommerpause bietet Kaufgelegenheit


Für die Sommerwochen bleibt Grimaldi jedoch vorsichtig. Der starke Anstieg im SMI, aber auch im Dax über die letzten Tage, habe die Züge von Shortsqueezes (Schliessung von Short-Positionen). Das mache den Markt für die Sommerwochen anfällig. Grimaldi rät, Abwärtskorrekturen für Käufe zu nutzen. Seine Favoriten sind die Papiere von Burckhardt Compression, Holcim, Schindler und Syngenta.

Keine Renaissance, nur kurzfristigen Chancen


Ebenfalls zu Vorsicht rät Grimaldi beim Gold. «Der Goldpreis scheint noch keinen Boden gefunden zu haben, obschon wir zurzeit einen Ansatz zum Rebound sehen, der kurzfristig den Unzenpreis um 20 Prozent steigen lassen kann.» Laut Grimaldi gilt es deshalb bei Gold eine klare Strategie zu definieren. «Wer eine Trading- Gelegenheit nutzen möchte, kann kaufen, aber es darf nicht mit einer Renaissance der Edelmetallnachfrage gerechnet werden.» Denn die Voraussetzungen für einen starken Goldpreis fehlten: Einen schwächeren Dollar und eine steigende Inflation, so der Vermögensverwalter.

Bei den aufstrebenden Märkten China, Brasilien und Indien rät Grimaldi ebenfalls zu Zurückhaltung. «In diesen Ländern ist keine Konjunkturbelebung festzustellen und in Brasilien dürften die politischen Unruhen im Zusammenhang mit der Fussball WM 2014 noch zunehmen.» Für den Anlageexperten überwiegen deshalb die Risiken in diesen Märkten. 

Aus Moneycab.ch - 12. Juli 2013